I run Iran 2016

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Die Schnürsenkel noch mal festziehen – 3,2,1 – Start! WOW!

 

Es war der Moment auf den wir die letzten zehn Tage intensiv hingearbeitet haben. Sie rennen – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes! “I run Iran“ !

“Sie“ – das waren rund 160 leidenschaftliche Marathon-Läufer aus 25 Nationen die alle ein gemeinsames Ziel hatten – und dieses lag in 42,195 km Entfernung.

 

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Die Idee für dieses historische Event hatte Sebastiaan, ein niederländische Gründer einer Reiseagentur, welche auf den Iran spezialisiert ist.

 

Da ich sowieso gerade auf Reisen war und mal wieder im Iran vorbei schauen wollte kam die Gelegenheit genau richtig.

Ich hatte die Chanceden Marathon als Volunteer vor Ort zu unterstützen. Etwas anders als erwartet war ich, in Shiraz angekommen, auf einmal der “Local Coordinator“ – Hauptansprechpartner und Repräsentant vor Ort.

Den eigentlichen Organisator sollte ich gar nicht zu Gesicht bekommen, da dieser in Italien blieb – er hatte vollstes Vertrauen in seine Volunteers!

 

Aber genau deshalb war ich ja mit von der Partie. “Normale“ Events hatte ich in vergangenen 6 Jahre in meinem alten Job, hauptsächlich in Deutschland, genug organisiert! Challenge accepted!

Und es sollte anders werden!

Hatte ich während meines ersten Iran-Aufenthaltes durchweg  positive Erfahrungen gemacht, wurde ich diesmal auch mit anderen Situationen konfrontiert.

 

Das erste internationale Laufevent der Geschichte – klar kommen da auch Sicherheitsbedenken auf und auf einmal traut einem gefühlt keiner mehr über den Weg.

 

So war der traurige Satz eines iranischen Offiziellen “ich traue keinem Iraner und schon gar keinem Ausländer“ nicht das einzige, was Ernüchterung hervorrief.

Hilfsbereite Iraner, die einfach nur Spaß daran hatten ein solches Event zu unterstützen wurden angeschwärzt –  mussten sich bei örtlichen Behörden melden und wurden teils stundenlang vom Sicherheittsdienst nach ihren Absichten befragt.

Eine große Unsicherheit war zu spüren. “Was kommt mit diesem Marathon eigentlich auf uns zu“ mag sich mancher Iraner gefragt haben, schließlich war es ja etwas Neues!

So haben wir uns auch irgendwann nicht mehr gewundert als die Laufstrecke zum X-ten Mal kurzfristig geändert wurde.

Das Schöne an der ganzen Sache waren die entspannten Läufer die aus der ganzen Welt angereist kamen um mit uns Geschichte zu schreiben.

Kein Meckern, keine Unzufriedenheit – pure Vorfreude und gespannt sein – wunderbar!

 

Marathon Nummer Eins – sie rennen!

 

Nachdem die letzten Bedenken einiger Offizieller vor vergifteten Bananen an der Strecke ausgeräumt waren, sollte es losgehen – 8.15 Uhr, 22 Grad in Nekropolis – die Läufer waren auf der Strecke.

 

So kompliziert sich die Zusammenarbeit im Vorfeld auch teils gestaltet haben mag, so überwältigend war das Ergebnis.

Alle Beteiligten haben letzten Endes einen grandiosen Job gemacht und ein Laufevent geschaffen, das allen Teilnehmern in Erinnerung bleiben wird!

 

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Die Atmosphäre entlang der menschengesäumten Strecke war unbeschreiblich. Alle Schulen schienen verlassen, in den Werkstätten und Geschäften am Streckenrand stand alles still – umso lauter war es an der Strecke. Ausgelassenes Toben in der Öffentlichkeit – ein Bild mit Seltenheitswert in diesem Land.

 

Wir hatten stundenlang Gänsehaut und Tränen in den Augen – es war deutlich emotionaler als gedacht.

Verhüllte Frauen die den Läufern zujubelten wie Teenies ihren Idolen, tausende Erinnerungsfotos mit Leuten aus allen möglichen Ländern und ein iranischer Läufer der mit der amerikanischen Flagge in den Händen die Ziellinie überquert – Willkommen im Iran!

 

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Aber es war nicht nur die Stimmung bei der die Iraner im Mittelpunkt standen – auch der sportliche Teil wurde klar von ihnen dominiert. Die erstplatzierten Läufer, allesamt Iraner, wurden von ihren Landsleuten an der Strecke förmlich ins Ziel getragen!

 

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Kennt man dieses wahnsinnig vielseitige Land bei uns zumeist nur aus negativer Berichterstattung, so war dieser Tag der Beleg dafür, dass es Zeit ist die Gastfreundschaft der Iraner hautnah zu erleben!

2 Antworten

  1. […] Entscheidung zu Budapest fiel bereits Anfang April im Iran – noch bevor ich überhaupt in das erste Auto gestiegen war! Ich wollte die Frau die ich kurz […]

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